Die Situation rund um den Schlangenbader Tunnel ist schon aus baulichen Gründen eng verknüpft mit der Brücke am Breitenbachplatz. Damit besteht auch eine enge Verknüpfung zur stadtplanerischen Entwicklung und Neugestaltung des Platzes, die in den kommenden Jahren anstehen soll und schon seit einigen Jahren Teil des gesellschaftlichen wie politischen Diskurses ist. Bisher wurde dieser Diskurs maßgeblich unter der Perspektive geführt, dass die Umgestaltung des Platzes zu allererst eine Angelegenheit ist, welche die Anwohnenden des Platzes und bestenfalls noch jene der Schildhornstraße etwas angeht. Tatsächlich ist der Breitenbachplatz aber Verkehrsknotenpunkt mehrerer Verbindungsstraßen übergeordneter Bedeutung. Als solcher haben Veränderungen am Platz selbst und unmittelbar um den Platz herum gravierende Auswirkungen nicht nur für den Platz und die örtlichen Gegebenheiten, sondern weit darüber hinaus.
Verkehrsknotenpunkt von Geburt an
Folgt man der Diskussion, gewinnt man den Eindruck, dass die verkehrliche Bedeutung des Platzes keine nennenswerte Rolle spielt und wenn überhaupt allenfalls auf die ehemalige A104 und die Achse Tunnel-Breitenbachplatzbrücke – Schildhornstraße beschränkt bleibt. Visionen für die Platzgestaltung. wie man sie bei einigen Interessenvertretern und Parteien findet, schwärmen von einer menschengerechten Gestaltung und tun dies mit historischem Bezug einer Wiederherstellung des angeblich beschaulichen historischen Zustands vor dem Bau des Autobahnüberbauung und der Breitenbachplatzbrücke. Dieser Bezug ist aber in der Form falsch.

Der Breitenbachplatz ist 1913 mit Bau des U-Bahnhofs neu gestaltet worden. Er war von Anfang als Verkehrsknotenpunkt konzipiert, auf den 6 Straßen direkt mündeten und weitere 5 in unmittelbarer Nähe des Platzes: Der Breitenbachplatz ein Sternplatz mit 11 Verkehrs-Strahlen. Der häufig gezogene Vergleich mit dem Rüdesheimer Platz, der einige Jahre vor dem Breitenbachplatz als Schmuckplatz konzipiert war und damit in ganz anderer Funktion, stößt schnell an seine Grenzen. Selbst bei der Konzeption der Gartenanlage in der Mitte war keine nenneswerte andere Funktion vorgesehen außer Zugang zur U-Bahn und optisches Gestaltungselement. „Zerschnitten“, wie es häufig als Begründung für die heute als missraten empfundene Platzgestaltung und im Übrigen auch im zugehörigen Senatsbeschluss heißt, war der Platz auch schon vor über 100 Jahren bei seiner „Geburt“. Gemeint ist damit der Bereich am nordöstlichen U-Bahn-Ausgang. Nur dass damals keine Brücke, sondern lediglich die damals schon breite Schildhornstraße ebenerdig den „Schnitt“ markierte. Diese Situation führte im Übrigen dazu, dass in den 60ern vor Bau der Autobahnüberbauung der Platz Aufgrund dieser Verkehrsbelastung hoch gefährlich war!
Gleichwohl war der Verkehr im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend, weil der Breitenbachplatz ein absoluter Verkehrsknotenpunkt war. Verkehrstote waren auch hier nicht unbedingt eine Seltenheit, weshalb auch Übergänge zu dem im Bereich der Mittelinsel vorhandenen großen Kinderspielplatz gesperrt wurden und auch der Kinderspielplatz mit den Jahren seine Attraktivität aufgrund der verkehrsreichen Situation verlor. Durch die Errichtung des Schlangenbader Tunnels sowie der Autobahnbrücke wurde der Verkehr auf dem Breitenbachplatz nachhaltigst reduziert.
Bisher keine Antwort auf die Verkehrsprobleme
Wenn man in die Diskussion um die Umgestaltung des Platzes einsteigt, dann ehrlich! Das bedeutet, ohne historisierenden Bezug auszukommen, mit dem die heutigen Gegebenheiten verzerrt und die damaligen verklärt werden. Zur Ehrlichkeit gehört auch, sich zu allererst Gedanken zu machen, was man mit der Verkehrsfunktion macht! Der MIV löst sich nicht in Luft auf. Zehntausende Menschen täglich nutzen ihn nicht nur in Nord-Süd, sondern auch in Ost-West-Richtung. Schon in der so genannten Machbarkeitsuntersuchung zum Breitenbachplatz wurden die Auswirkungen des Brückenabrisses auf die umliegenden Kieze und damit den Wegfall der Achse ehemalige A104-Schildhornstraße nicht wirklich bedacht, sondern allenfalls oberflächlich betrachtet. Aber auch über den Verkehr in der Querrichtung Schorlemer / Engleralle und Südwestkorso hat es keine vertiefte Untersuchung gegeben. Grundsätzlich ist es aber müßig, immer wieder auf die so genannte Machbarkeitsuntersuchung zu verweisen. Die Realität hat gezeigt, dass die Schätzungen Fehlannahmen waren.
Es gibt noch keine aktuellen Verkehrszahlen unter den Bedingungen des Umleitungskonzepts, das über den Wilden Eber ausgewiesen wurde. Das größte Problem ist aber ohnehin der Teil des Verkehrs, der sich ungesteuert über das Nebenstraßennetz verteilt, dort, wo gar nicht gezählt wird. Vergleichszahlen fehlen.

Drei Jahre nach der Tunnelsperrung ist es noch nicht gelungen, ein adäquates Konzept auf den Tisch zu legen, das langfristig ohne den Autotunnel auskommt. Wer eine dauerhafte Schließung plant, muss sich Gedanken darüber machen, wie man mit der Funktion des Breitenbachplatz als Verkehrsknotenpunkt für täglich mehr als 100.000 Menschen, die man von den Autos in alternative Verkehrsmittel bekommen will, umgehen möchte – zusätzlich zu jenen, die sich heute schon im ÖPNV, zu Fuß und mit dem Rad dort bewegen! Bisher haben sich die Autos nicht oder nur zu einem kleinen Teil in Luft aufgelöst. Wobei ein Auto, was jetzt Umwege über Hohenzollerdamm oder A103 fährt, sich nicht in Luft aufgelöst hat. Nennenswerte alternative Verkehrsmittel, welche die Mobilität dieser Menschen in der Größenordnung einer Großstadt aufnehmen kann, gibt es aktuell nicht und spielen auch bei der bisherigen Planung keinerlei Rolle! Das Radwegenetz ist überwiegend nicht vorhanden und / oder in desolatem Zustand. Mangels vernünftiger Alternative für den Ziel- und Quellverkehr quetscht sich dieser durch Nebenstraßen, die damit für Radfahrende unbrauchbar werden. Die Ausstattung des ÖPNV ist ebenfalls schon jetzt am Limit, zum Leidwesen besonders der vulnerablen Gruppen, die man im wahrsten Sinne des Wortes schon jetzt im Regen stehen lässt. Erst wenn das Verkehrsproblem gelöst ist, kann man über Schönheit oder alternative Nutzung des Raums reden!
Neugestaltung darf nicht Kiezblock auf den Kopf stellen
Da jede Entscheidung einer Umgestaltung gravierende Auswirkungen auf die Nachbarschaft in den angrenzenden Kiezen hat, verbietet sich, wie es in der Vergangenheit gemacht wurde, Planung ohne die Anwohnenden ebendort zu tun! Partizipation bedeutet nicht, dass man diese ungefragt an dem Verkehr teilhaben lässt, den man loswerden will! Partizipation ist die Mitbestimmung und Teilhabe von Menschen an Entscheidungsprozessen, die ihr eigenes Leben betreffen!
Wir stehen als Bürgerinitiative Schlangenbader Tunnel nachprüfbar für Umweltschutz und Wohnqualität in den umliegenden Anwohnerkiezen. Uns ist sehr bewusst, dass Autos, die aus einer Straße weggeleitet werden, an anderer Stelle auftauchen. Das bedeutet einen ausgewogenen Umgang und nicht die Förderung von Partikularinteressen. Die Leistungsfähigkeit des Verkehrsnetzes muss zwingend Berücksichtigung finden. Dazu gehört auch eine ernsthafte Auseinandersetzung, welchen positiven Wert auf Umweltschutz und Wohnqualität es haben soll, die auf 600 Metern „weggesperrte“ Verkehrsbelastung, Lärm- und Feinnstaubemissionen dort raus und in die Anwohnerstraßen zu holen. Was hier passiert, ist ein absurdes auf den Kopf Stellen jenes Kiezblockkonzeptes, das dieselben Protagonisten anderswo fördern.
Last not least: Der Denkmalschutz hat in der Angelegenheit auch noch ein Wörtchen mitzureden. Die Verkehrsfunktion des Tunnels muss erhalten bleiben. Eine Zweckentfremdung ist nicht möglich. Auch für den eigentlichen Breitenbachplatz gibt es eine ganze Reihe Vorgaben, weil nicht nur die Autobahnüberbauung unter Denkmalschutz steht und auch Blickachsen Berücksichtigung finden müssen.
2 Gedanken zu „Der Breitenbachplatz – historischer Verkehrsknotenpunkt“