Negative Entwicklung des Radverkehrs

Anlässlich des Jahrestags der Tunnelsperrung lohnt auch ein Blick auf die Entwicklung des Fahrradverkehrs. Die negativen Entwicklungen sind deutlich. Es gibt rund um den Tunnel viele kleinere Nebenstraßen, die vor allem in Nord-Süd-Richtung vor der Tunnelsperrung gerne als Radstrecken genutzt wurden, ohne dass dort ausgewiesene Radwege oder -spuren vorhanden waren. Bei Nebenstraßen mit reinem Anwohnerverkehr war dies nicht zwingend nötig. Mit der Tunnelsperrung sind nun aber massiv jene Autos in diese Nebenstraßen gedrängt, die den geplanten Umleitungen folgen oder den ungeplanten Ausweichverkehr betreffen.

Die Konsequenz ist, dass viele, insbesondere vulnerable Gruppen (ältere Menschen, Familien mit Kindern) gar nicht mehr fahren. Diejenigen, die weiterhin fahren, weichen oft auf die Gehwege auf, wo sie wiederum Fußgänger und da insbesondere vulnerable Gruppen bedrängen. Besonders gravierend ist das Problem unmittelbar rund um den und „unter“ dem Tunnel an der Wiesbadener Straße.

Das Problem ist statistisch schwer erfassbar. Da nicht kontrolliert wird, erfährt die Polizei überhaupt erst davon, wenn es wirklich zu Unfällen kommt und diese auch gemeldet werden. Stress auslösende Situationen, in denen Fußgänger und da vor allem mobilitätseingeschränkte Menschen auf dem Gehweg bedrängt, weil schnell und dich überholt beziehungsweise passiert werden, tauchen zahlenmäßig nicht auf. Uns sind mehrere Stürze bekannt, wo die Betroffenen die Unfälle nicht gemeldet haben: sei es, weil sie in dem Moment erst einmal beschäftigt waren, mit den Sturzfolgen zurechtzukommen, aber auch, weil es ohnehin keine Möglichkeit gibt, die Verursacher zu verfolgen.

Wo man den Einfluss auf die Tunnelsperrung auf den Radverkehr aber zumindest teilweise sichtbar machen kann, ist bei der Zählstelle am Breitenbachplatz. Diese zeigt einen deutlichen Rückgang der Zahlen dort passierender Radfahrende.

Zum Vergleich auch die Zahlen vor Corona:

April / TagAugust / TagOktober / TagJahr / Tag
20192743315720442170
20222258277124932322
20231913246519802101
20242407254920372097
20252515217917962029

Es gibt also einen Rückgang von etwa 10 %, im Vergleich zu Vor-Corona immerhin noch einen Rückgang von 4%. An anderen Radzählstellen haben sich die Zahlen nach Corona sogar noch gesteigert. Zu beachten ist, dass die Radzählstelle auf der Südseite des Breitenbachplatzes ist, also eher die Ost-West-Richtung erfasst. Der Einfluss in Nord-Süd-Richtung dürfte noch größer sein.

Es zeigt sich aber durchaus an den Zahlen, dass es nicht förderlich ist, den Autoverkehr von einer Durchgangsstraße in Anwohnerkieze zu drängen.

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